Conny Müscher

Aktuelle Ausstellungen:

07.09.2019 - 17.01.2020: Vernissage 16 Uhr, Mo-Fr: 10-16 Uhr, BBK- Galerie in der BAO, Leer (G)

Der Intuition einen Zugang zu gewähren, die Starre aufzulösen, alles in Bewegung zu bringen, fordert mich heraus, neue Dimensionen zu erschließen. Denn in der Bewegung liegt für mich die Veränderung, in der Veränderung die Chance, in der Ungenauigkeit die künftige Wahrheit.

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Das Auftragen der Farbe geschieht als Dialog mit der Stimmung des Inneren, ich höre darauf, was Pinsel, Spachtel und Bewegung mir eingeben.

Zwiegespräch von Emotion und Ratio, in leidenschaftlicher Auseinandersetzung zweier Gehirnhälften. Unbewusst, jedoch in einem Moment dem gleichen künstlerischen Impuls und Material ausgesetzt, erforscht Conny Müscher die Polaritäten des äußeren und inneren, grenzenlosen und eingeschränkten, vordergründigen und hintergründigen Erlebens. Das sich schlussendlich in dem Empfinden einer körperlichen Identität manifestiert.  (Weiter lesen)

Das Auftragen der Farbe geschieht als Dialog mit der Stimmung des Inneren, ich höre darauf, was Pinsel, Spachtel und Bewegung mir eingeben.

Zwiegespräch von Emotion und Ratio, in leidenschaftlicher Auseinandersetzung zweier Gehirnhälften. Unbewusst, jedoch in einem Moment dem gleichen künstlerischen Impuls und Material ausgesetzt, erforscht Conny Müscher die Polaritäten des äußeren und inneren, grenzenlosen und eingeschränkten, vordergründigen und hintergründigen Erlebens. Das sich schlussendlich in dem Empfinden einer körperlichen Identität manifestiert.

Der Dialog beschreibt in der Kunst nicht nur die Zwiesprache zwischen Betrachter und Bild, sondern vor allem zwischen Künstler und Werk. Neben dieser Ebene eröffnet sich durch die Besonderheit des paarigen Auftretens bei Conny Müschers Werken eine weitere Kommunikationsebene: der Dialog zwischen zwei Werken. In einem Arbeitsprozess entstehen zwei Bilder synchron, die erst nach dem Malvorgang durch einen Seiten- und zusätzlichen Richtungswechsel eine Bildeinheit ergeben. In diesem Moment offenbaren sich Ordnung und Chaos und fügen sich zu einem Ganzen zusammen. Die Gesamtkomposition ist in Bewegung und erzeugt beim Betrachter den Eindruck im Fluss zu sein. In Conny Müschers Körperlandschaften berühren sich fragmentarische, doch ohne Zweifel weibliche Figurelemente in einem undefinierten Raum.

Dialogos, das klingt mächtig, in einem ersten Impuls nach Auseinandersetzung und doch widersprüchlich sanft. Ursächliche Fragen von Gefühl und Verstand, Entwicklungen von Gewesenem zu Zukünftigem, aufgelöst in inneren Dialogen, die letzlich zur eigenen Existenz führen. Während Conny Müscher anfänglich mit konturbetonten, sich nur partiell öffnenden Figuren gearbeitet hat, werden in ihren neueren Werken diese Grenzen aufgesprengt. Formauflösung und Formwerdung, Verschmelzung und Assimilierung stehen hier im Fokus ihrer Arbeit.
Einzelausstellung in der Galerie für Gegenwartskunst Amuthon-Art, Emden 2015

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Zwei Bilder, synchron in einem Malvorgang entstanden, ergeben erst durch einen zusätzlichen Seiten-und Richtungswechsel eine Bildeinheit. In diesem Moment offenbaren sich Ordnung und Chaos und fügen sich zu einem Ganzen zusammen.

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Was ist das Leben? Was macht das Leben aus? Wer sind wir Menschen? Diese zentralen Fragestellungen im Werk der Künstlerin Conny Müscher gehen einher mit dem Thema Weiblichkeit, aber als etwas nur indirekt Greifbares. Ihre Bilder zeichneten sich früher durch einen sehr expressiven Pinselstrich, eine kräftig leuchtende Farbgebung und eine deutliche Gegenständlichkeit in typisierten Frauenbildern aus. Diese wich jedoch einer abstrakteren Ausdrucksweise, die tiefer gehendere Verbindungen fordert. Mit ausgewogen flächigen und linearen, nahezu kalligrafischen Oberflächenstrukturen schafft sie nun bewegte, ja fast tanzende Formen, die sich in ihren weichen, geschwungenen Formulierungen einerseits auf den weiblichen Körper beziehen lassen, hier eine Schulter, da eine Hüfte oder dort ein Stück Busen. (Weiter lesen)

Was ist das Leben? Was macht das Leben aus? Wer sind wir Menschen? Diese zentralen Fragestellungen im Werk der Künstlerin Conny Müscher gehen einher mit dem Thema Weiblichkeit, aber als etwas nur indirekt Greifbares. Ihre Bilder zeichneten sich früher durch einen sehr expressiven Pinselstrich, eine kräftig leuchtende Farbgebung und eine deutliche Gegenständlichkeit in typisierten Frauenbildern aus. Diese wich jedoch einer abstrakteren Ausdrucksweise, die tiefer gehendere Verbindungen fordert. Mit ausgewogen flächigen und linearen, nahezu kalligrafischen Oberflächenstrukturen schafft sie nun bewegte, ja fast tanzende Formen, die sich in ihren weichen, geschwungenen Formulierungen einerseits auf den weiblichen Körper beziehen lassen, hier eine Schulter, da eine Hüfte oder dort ein Stück Busen.

Andererseits nimmt sie Bezug auf den Fluss des Lebens, auf etwas ewig Fortschreitendes, sich Auflösendes und wieder neu Beginnendes ohne Unterbrechungen. Auch eckige Formen tauchen in ihren Kompositionen auf und ergänzen die Rundungen zu einem Wechselspiel, einem Geben und Nehmen von harten, vielleicht männlichen und weichen, eher weiblichen Elementen. Unser begrenztes räumliches Bewusstsein bricht sie mit dieser Malerei auf.

Die menschliche Figur, insbesondere die weibliche Gestalt ist schon seit jeher Gegenstand künstlerischer Interessen. Ihre Schönheit, ihre Geheimnisse, ihre Reize wurden von Malern, Grafikern und Bildhauern auf der Suche nach einem femininen Idealbild, in den unterschiedlichsten Variationen umgesetzt: seit dem Mittelalter zunächst christlichen Vorstellungen unterworfen, dann individueller, lebendiger, sinnlicher und im 20. Jahrhundert sachlicher und abstrakter. So prägen beispielsweise de Koonings Frauenbildnisse der 1960er Jahre, von denen sich die Künstlerin inspiriert sah, eine eigenständige Kraft durch eine unkontrollierte Bildstrukturen entwickelnde Malweise. Diese verleiht auch Müschers Bildern einen starken Ausdruck. De Koonings Ausgangsthese war, laut Carla Schulz-Hoffmann, dass Frauen emotional weniger zerrissen sind als Männer und stärker in sich ruhend sowie ihrer selbst sicherer wirken. Ihre Körper wurden bei ihm zu Abstraktionen, die mit ihrer Umgebung verschmelzen. Linien, Tropfen, breite Pinselstriche und einfache Schlieren durchbrechen sich gegenseitig und schaffen Bewegungsmomente.

So auch bei Conny Müscher. Linien, Flächen, Strukturen, Körperformen werden angedeutet. So manche Linie, ob zart, kräftig oder einfach nur schwungvoll, entpuppt sich irgendwann als weibliches Körperteil, mancherlei Fläche als landschaftliche Struktur. Doch nichts zeigt sich direkt. Man muss genau hinschauen, sich auf die Bewegung, auf den Rhythmus und Fluss des Farb- und Formenspiels einlassen. Fragmentarische Figurenelemente und abbrechende Farbbahnen wechseln sich mit stark oder schwach ausgeprägten Linienverläufen und gerakelten Einsprengseln ab. Transparenz entsteht. Die Figuren sind vom "Hier und Jetzt des Alltags losgelöst".2 In immer neuen Zusammensetzungen und in Verbindung mit neuen Inhalten, Gedanken und Emotionen wird das Vertraute der direkten Formen, der vollständigen Frauenfiguren erschüttert. Sie stehen immer in Bezug zum großen Ganzen, zum Leben.

Vor allem die griechischen Bildtitel tragen zu einer besonderen Vielschichtigkeit bei. Einerseits weisen sie auf die tiefe Verbindung Müschers zu Griechenland hin, wo sie sich regelmäßig mehrere Monate im Jahr aufhält. Andererseits werden mit dem Titel Verbindungen zu komplexen Themen geschaffen. Zum Bsp. in Allagis – Erneuerung. Etwas Zerfallenes wird wieder zusammengesetzt, etwas Verblühtes blüht neu auf, der Winter weicht dem Frühling, zwischenmenschliche Beziehungen werden erneuert und die Frau ist gewissermaßen ebenfalls einer regelmäßigen Erneuerung unterworfen. Der Kreislauf des Lebens, Werden, Vergehen und Werden, spiegelt sich wieder. Grün gilt als beruhigende Farbe und bringt in dieser hellen Ausprägung etwas Frisches und Harmonisches mit sich. Es steht für das Leben der Natur, für Fruchtbarkeit. Ergänzt wird es von einer breiten Palette an Blautönen. Diese Farbe wird mit Entspannung und Meditation in Verbindung gebracht, symbolisiert aber auch Weite und Ferne, obwohl sie im Vordergrund steht. Diese Farben durchbrechen den sandigen Ton des Hintergrundes, treten in den Vordergrund, erst sehr frei und leicht, sich zueinander und umeinander bewegend. Noch nicht zielgerichtet. Dann, in der rechten Bildhälfte, verdichten sie sich, orientieren sich in ihren Bewegungen aneinander und treten in einen Dialog miteinander. Etwas nimmt Form an, wird strukturierter und Licht durchdringt die sandfarbene Fläche. Erneuerung. Inmitten all dieser breiten Pinselstriche treten dunkle, sehr feine, zarte Linien auf. Hier ist ein Busen zu sehen, dort ein angewinkeltes Bein. Die Frau ist Teil dieses Ganzen, einer Landschaft und ihre eigene Seelenlandschaft wird angedeutet. Der Körper bzw. die Körperteile, analog zur Fläche, werden wiederum zur Körperlandschaft.

Andere Beispiele für komplexe Inhalte sind die Bilder Pleksimo – Verstrickungen, welches sich mit Verwandtschaftsbeziehungen in Verbindung bringen lässt oder Avlasia – Harmlosigkeit, dessen Titel sich der Darstellung von Messern und Beilen ironisch entgegenstellt. Stets werden die Formen "in Schwingung versetzt, sie weiten sich, öffnen sich und gehen neue Verbindungen ein".3 Sie werden in ihrer Loslösung von festgefügten Strukturen freier. Das Dargestellte ist also eindeutig uneindeutig, greifbar und nicht greifbar. Weibliche Rundungen sind zwar erkennbar, verändern und abstrahieren in ihrer schwebenden Leichtigkeit und Verschmelzung mit unbestimmten vegetativen Formen jedoch das Selbstverständliche für den Betrachter. Diesem wird es überlassen an geläufigen Formen hängen zu bleiben, sich an dieser Oberfläche zu orientieren auf eine eigene Interpretation einzulassen.

Vordergrund und Hintergrund sind immer getrennt, doch scheinen sie sich aufeinander zu bewegen und durchdringen zu wollen. Es entsteht eine nahezu transparente Fläche in einem Raum, der sich jedoch durch Raumlosigkeit auszeichnet. Es entsteht der Eindruck, als würde man in ein Ultraschallbild sehen. Die halbrunde Anordnung der gerakelten Einsprengsel lassen diese Assoziation entstehen. Hier wie dort wird sichtbar, was normalerweise gar nicht sichtbar ist und auch Bewegungen werden deutlich. Die Bewegung ist ein Element, mit dem die Künstlerin ihre Bilder lebendig macht. Die Pinsel führende Hand bewegt sich intuitiv, mehr vom Herzen geleitet, als vom Verstand. Das Malen wird zu einem, man könnte sagen, meditativen Prozess, ebenso wie das lebensnotwendige Ein- und Ausatmen, wenn man sich bewusst darauf konzentriert.

Die Werke treten zumeist als Diptychon auf, ob in der Werkreihe Oceano, ob Pselion, Ipervolis oder Allagis etc. Die Künstlerin bearbeitet immer zwei Bilder parallel. Automatisch entsteht dabei eine Beziehung zwischen den beiden Werken. Sie stimmen überein. Offene und geschlossene Formen und wohl auch Chaos und Ordnung treten in einen Dialog. Sie lassen sich von unseren beiden unterschiedlich arbeitenden Gehirnhälften ableiten. Die rechte Seite unseres Gehirns ist meist für die künstlerischen und intuitiven Handlungen sowie für das Raumempfinden zuständig, wohingegen die linke für logisch-analytische, also systematische Denkprozesse und das Zeitempfinden verantwortlich ist. Beide Gehirnhälften müssen aber gut miteinander kommunizieren, damit die optimale Leistung erbracht werden kann. Ebenso funktionieren die Bildpaare Müschers. Man könnte sie auch einzeln betrachten. Doch als Einheit ergeben sie erst ein vollständiges Bild, dessen Elemente in Beziehung zueinander stehen. Der parallele Malprozess lässt die beiden Werke aber nicht unweigerlich in der ursprünglich angeordneten Form bestehen. Oben und unten sind nicht genau definiert. Sie werden häufig gedreht, getauscht oder beides, um ein kompositorisch ausgewogenes Bildgefüge zu erstellen und der gefühlsmäßigen Gehirnhälfte Genüge zu tun. Gleichzeitig verschmelzen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der endgültigen kompositorischen Veränderung, sowie Raum und Zeit bedeutungslos werden.

Conny Müscher hält sich jedes Jahr für einen langen Zeitraum in Griechenland auf. Umgebung und Arbeitsbedingungen sind vollkommen verschieden zu ihrem Leeraner Atelier. Der Einfluss auf ihre Arbeiten wird deutlich, auch wenn die Künstlerin sich bereits vor dieser Zeit in die jetzige subtilere Richtung der Malerei zu wenden begann. Der Wechsel vom Leben im hellen Licht des Südens zum Leben in der im Vergleich dazu recht dunkel und schwer erscheinenden Atmosphäre des Nordens, macht sich immer wieder bemerkbar. Sie schreibt:

"Zunächst war da ein Gefühl von Leichtigkeit des Seins im Dort und von Beschwerung im Hier, losgelöst von gesellschaftlichen Strukturen - meine Berufstätigkeit hatte ich aufgegeben - lediglich durch mich als Individuum erspürt. Später empfand ich dort wie hier den zyklisch wiederkehrenden Prozess des Wechselspiels komplementärer Polaritäten - also ein Vorder-gründiges und Hintergründiges - als Aspekte seelischer Ganzheit, […]."4

Der Einfluss des Südens macht sich nicht nur in den freien, leichten und zarten Kompositionen bemerkbar und vermittelt auf diese Weise Sonne, Freiheit, Ruhe und einen Gegensatz zum heutzutage meist stressigen Alltag. In der Farbgebung machen sich ebenfalls Veränderungen bemerkbar. Die früheren Frauenbildnisse zeichneten sich zu Anfang durch äußerst kräftige Rot, Orange, Gelb und Blautöne aus. Der Dialog mit dem Betrachter entstand durch Blickkontakt mit den Figuren. Inzwischen sind die Farben viel heller und sanfter, ebenso die Pinsel-, Malmesser- und Spachtelführung. Auch ist die Buntheit auf zumeist zwei dominierende Farben im Vordergrund und valeuristische Farben im Hintergrund begrenzt. Die Helligkeit des Mittelmeerraums spiegelt sich auf diese Weise wieder, selbst wenn die Künstlerin in den tristen Wintermonaten in ihrem deutschen Atelier malt. Die Frau als Figur an sich wird weniger definitiv, abstrakter, allgemeiner. Doch selbst ohne direkten Blickkontakt entsteht ein Gefühl des Dialoges mit dem Bild. Nicht mehr gebunden an, doch durchaus noch im Zusammenhang mit bestimmten Körperkonturen, scheinen die schwungvollen Linien eigenständig zu sein und durch alle Flächen hindurch zu gehen. Der Raum löst sich auf und das Wahrgenommene wird zur Empfindung. Lassen Sie sich hier einfach von Ihrer intuitiven Gehirnhälfte leiten.

1 Carla Schulz-Hoffmann, Frauen. Picasso, Beckmann, de Kooning, München 2012, S. 13.
2 Müscher, Dez. 2007.
3 Müscher, Nov. 2007.
4 Müscher, Aug. 2006.
Einführung in die Ausstellung am 06.04.03 in Driever, Gulfhaus Dartein

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Analogia- so kündigt sich die Ausstellung an. Analogia- ein klangvolles Wort und mir zeigt der Blick ins Wörterbuch: Analogie- Beziehung zwischen Dingen, Vorstellungen und komplexen Systemen, die in gewisser Hinsicht übereinstimmen... Ähnlichkeit, die Übereinstimmung gewisser Merkmale, ohne Gleiches vorauszusetzen. Analogia- ein schönes Wort ..., aber was habe ich verstanden? Wonach soll ich hier schauen? Was erwartet mich? Schauen wir uns um, nähern wir uns an. (Weiter lesen)

Analogia- so kündigt sich die Ausstellung an. Analogia- ein klangvolles Wort und mir zeigt der Blick ins Wörterbuch: Analogie- Beziehung zwischen Dingen, Vorstellungen und komplexen Systemen, die in gewisser Hinsicht übereinstimmen... Ähnlichkeit, die Übereinstimmung gewisser Merkmale, ohne Gleiches vorauszusetzen. Analogia- ein schönes Wort ..., aber was habe ich verstanden? Wonach soll ich hier schauen? Was erwartet mich? Schauen wir uns um, nähern wir uns an.

Lassen wir uns durch die Farben locken. Die sind in Conny Müschers Bildern manchmal ganz zart, hell, durchscheinend, fein unterstützend angelegt. Dann wiederum erscheinen sie kraftvoll, kontrastierend gesetzt und provozierend potent auftrumpfend. Pinsel, Malmesser und Spachtel wischen, schichten, setzen Akzente oder arbeiten flächig, pastos, auch fleckenhaft und dann wieder transparent, manchmal Teile der Leinwand ganz aussparend. So entsteht Bewegung, Rhythmus, wild und nur vordergründig gezähmt, eine belebte Farblandschaft, die sich im Anschauen verändert.

Körper, einzeln oder als Gruppe, ergänzen den ozeanischen Strom. Sie sind farbig gestaltete Volumen oder hinzugefügte Kontur, die häufig gebrochen, erschüttert ist. Selbst wenn die Kontur in Conny Müschers Bildern nur noch fragmentarisch erscheint, ist sie weiblich, ohne Zweifel, ganz gewiss. Und so kann sich mit wenigen Linien gegen die Farblandschaft eine Körperlandschaft in perfekter Mimikry behaupten. Analogia- ein Wechselspiel von Selektions- und Anpassungsdruck und Entwicklungsmöglichkeiten.

Ihnen ist bestimmt beim ersten Schauen aufgefallen, dass häufig zwei Bilder, die offensichtlich Ähnlichkeiten aufweisen, nebeneinander platziert sind und wie ein Paar daherkommen. Diese jeweils zwei Bilder sind in einem Arbeitsprozess synchron entstanden, lagen beim Malen nebeneinander, als Links und als Rechts - jedes für sich, aber im gleichen Moment dem gleichen künstlerischen Impuls und Material ausgesetzt. Nehmen wir an – die Erkenntnisse der Hirnforschung zugegeben vereinfachend – die linke Gehirnhälfte, die ordnend strukturierende, sei im Besonderen für das im Entstehungsprozess rechts liegende Bild verantwortlich. Nehmen wir ebenso an, die rechte Gehirnhälfte, die chaotisch intuitive, habe ihr Übriges zum linken Bild beigetragen … bei aller Ähnlichkeit, Analogie – wie müssten sich die Bilder unterscheiden? Korrespondieren sie miteinander? Welche Hirnhälfte war jeweils pinselführend?

Sicher, das Gehirn ist ein Organ, das an allen Aktivitäten immer als Ganzes beteiligt ist! Und doch ist eine Hemisphäre geübter, ausgeprägter, weil täglich erfolgreicher, nämlich die linke, die Sprache und ordnende, logische Prozesse überwiegend steuert. Ist dieses Prinzip auch im künstlerischen Prozess prägend? Ist dieses trennende Prinzip im künstlerischen Prozess überwindbar? Und wie schauen wir die Bilder an? Ist Ihre linke Gehirnhälfte besser trainiert als die intuitive, chaotische rechte? Analogia- das Übereinstimmende sehen und doch die Unterschiede aufspüren, sich ihrer bewusst werden, ein Angebot, das die Künstlerin uns macht. Das Bildpaar- gibt es das nur im Doppel, als untrennbare Einheit? Oder steht jedes Bild für sich, ganz und gar? Entscheiden Sie- wie im richtigen Leben- ob sie ein Paar für untrennbar halten oder als Zwei sehen, die einen Dialog aufgenommen haben, um das im anderen entdeckte Fremde auch in sich selbst zu finden und aufzunehmen und dann jeweils für sich ganz zu werden.

Analogia- Erfahrung ist nur möglich, wenn Ähnliches wiederkehrt, das uns auch im verstörenden Neuen verankert. Von diesem Ankerplatz aus können wir uns dem Neuen öffnen und es mit Bekanntem vergleichen. Und im Vergleich zeigt sich der Unterschied, hier wird er fassbar und damit zur Erfahrung. Conny Müscher hat sich dieser Erfahrung nie verweigert. Bitterkeit, Zynismus, bissiger Zeitkommentar und ironische Selbstdistanzierung passen nicht zu einer Künstlerin, die aufgebrochen ist zu einer radikalen Auseinandersetzung mit sich selbst in ihrer Rolle als Malerin und Frau in einer häufig lebensfeindlichen Gesellschaft. Studienaufenthalte im lichthellen Süden Europas und 2004 der Entschluss, als freischaffende Künstlerin einen großen Teil des Jahres in Griechenland zu verbringen, beeinflussen ihre Bildsprache. Archetypisches, das durch die griechische Mythologie ins überzeitliche Gedächtnis der Menschen gelangt ist, wird in Conny Müschers Bildern konterkariert mit der modernen Suche nach auch geschlechtsspezifischer, ganzheitlicher Existenz.

Analogia- ein schönes, wohlklingendes Wort. Lassen Sie es einfach klingen und vergessen Sie ruhig alles, was ich in den vergangenen Minuten gesagt habe. Nehmen Sie die Bilder als Herausforderung zu ganz eigener Selbsterfahrung. Was für den literarischen Text gilt, gilt auch für das Bild: Es hat viele Dimensionen, ist ein Gewebe aus Zitaten, und wie der Dichter schöpft auch der Maler aus einem großen Wörterbuch. Sinn entsteht so nicht. Den können nur wir, die Betrachter, konstruieren. Diesen großen Spielraum für unterschiedliche Verstehensmöglichkeiten bietet Conny Müscher uns an. Ihre Bilder wollen den Dialog, fordern ihn heraus, bekommen Bedeutung durch uns.
Einführung in die Ausstellung am 19.11.09 in Achim, Bremische Volksbank

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Vita / Ausstellungen

2019
BBK Galerie in der BAO, Leer (G)
Kunstscheune Gess, Jemgum (G)
Pfingstkunstroute, Atelier Conny Müscher, Leer
2018
Dozentenausstellung, Kunsthalle Emden, Atrium (G)
Von Kopf bis Fuß - Das Portrait, BAO Leer (G)
Pelzerhäuser, Emden (G)
Glanzlicht, Galerie Amouthon-Art, Emden (G)
2017
Jubiläum Galerie KunstNesse, Leer (G)
KüstenLinie, Alte Brauerei, Schortens (G)
BBK- Galerie in der BAO, Leer (G)
2016
Frauenmuseum Bonn "Work & Women" (G)
2015
Galerie Amuthon-Art "dialogos", Emden
Frauenmuseum Bonn "Frauen in Krieg und Frieden" (G)
2014
Frauenmuseum Bonn "Single Moms" (G)
Atelier Schnelle Bunde "Ten Points" (G)
Galerie Irida, Zakynthos, Greece
Kulturzentrum Coldam "Grenzenlos Treffen" (G)
2013
Frauenmuseum Bonn “Wer war Mona Lisa“ (G)
Gulfhaus Dartein, Driever
Kulturzentrum H.d.G., Lathen
2012
Goldschmiede, Leer
2011
Teehaus e.v. Kunst, Kultur & Kommunikation, Leer
Galerie Irida, Zakynthos, Greece
2010
Bremische Volksbank, Bremen/Achim
Künstlersonntage Galerie Forum Alte Werft, Papenburg (G)
Teehaus e.v. Kunst, Kultur & Kommunikation, Leer
Galerie Irida, Zakynthos, Greece
2009
Atelier Ulrich Schnelle, Bunde
Galerie KunstNesse, Leer
2008
Galerie Schönhof, Jade
Kulturhaus Zanders, Bergisch Gladbach
2006
StaBi, Leer
Kulturpunkt, Wipperfürth
2004
Krypti, Kulturelles Zentrum, Zakynthos, Greece
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Kataloge / Bibliographie

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Katalog 2016:


Format:


Autoren:

Druck:
Conny Müscher
Dialogos

20,5 x 20,5 cm, 64 Seiten,
75 farbige Abbildungen, 12 s/w

Dr. Viola Tallowitz-Scharf

Fotobuch.de
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Katalog 2013:


Format:


Autoren:


Druck:
Conny Müscher
Analogia

20,5 x 20,5 cm, 24 Seiten,
33 farbige Abbildungen

Conny Müscher
Brigitte Hennig-Hase

Fotobuch.de
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Gedichtband:


Format:


Autoren:


Druck:
körperlandschaften elementar
2009

20,5x15 cm, 28 Seiten,
12 farbige Abbildungen

Conny Müscher
Ulrike Hamer-Elvert

Fotobuch.de
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Katalog 2006:


Format:


Autoren:


Druck:
Cornelia Müscher 1990-2005
Inneres Wissen

21x24 cm, 42 Seiten,
20 farbige Abbildungen

Dirk Pistorius, Oldenburg
Brigitte Hennig-Hase, Bremen

Druckerei & Verlag Sollermann
Hans Jahrling

Atelier & Kontakt

Conny Müscher
Reformierter Schulgang 3
D-26789 Leer
Phon:+49 (0)491 61826
E-Mail: corneliamuescher@gmx.de

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